Idee

Wer kennt die Lebensgeschichten von vielen zu betreuenden Jugendlichen nicht? Zerrüttete Familienverhältnisse, häusliche Gewalt, Traumatisierung der Kinder, Trennung, Kampf der Eltern um die Kinder und den Unterhalt. Anschließend versucht ein Elternteil (zumeist die Mutter), die Kinder alleine zu erziehen und ist damit meistens hoffnungslos überfordert. Die Kinder werden aufgrund der Überforderungen oftmals vernachlässigt. Sie übernehmen die Vaterrolle und üben selbst nicht selten gegen die eigene Mutter und die Geschwister Gewalt aus. Kommt dann ein neuer Lebenspartner der Mutter ins Spiel, kommt es zumeist zu schweren Auseinandersetzungen mit dem neuen Partner der Mutter. Damit einhergehend sind rapide Verschlechterungen schulischer Leistungen, Schulschwänzen, der vermehrte Abbruch von angefangenen Lehren und somit mangelnde berufliche Zukunftsperspektiven. Die Peer group wird immer wichtiger und dient als Ersatzfamilie. Es zählt das „Gesetz der Straße“. Zu Hause werden Regeln nicht mehr akzeptiert, die Jugendlichen kommen nur noch zum Essen, Geld abholen und Schlafen nach Hause. Spätestens jetzt kommt es vermehrt zu Straffälligkeiten, meistens sind es zahlreiche Körperverletzungs- und Eigentumsdelikte und Straftaten nach dem Betäubungsmittelgesetz. Bei vielen dieser Jugendlichen kommt es zu entsprechenden Jugendhilfemaßnahmen und wechselnden ambulanten und stationären Jugendhilfemaßnahmen.

 

Unsere besondere Stärke ist es hierbei, dass der Verein von Personen mehrerer Berufsgruppen, die mit Jugendlichen arbeiten, gegründet wurde. Es konnten mehrere Aspekte aus verschiedenen Blickwinkeln mit „Weitblick“ bedacht werden; daher unser Vereinsname.

Wir sind davon überzeugt, dass jedes Kind und jeder Jugendliche in der Lage ist, individuelle Begabungen und Neigungen auszubauen und Defizite auszugleichen. Für die Kinder und Jugendlichen, die mit herkömmlichen Hilfsangeboten nicht mehr zu erreichen sind, ist es wichtig, Distanz zu problematischen Familienverhältnissen sowie dem ähnlich strukturierten gefährdenden Umfeld zu haben. Wir setzen hierbei auf einen örtlichen und personellen Rahmen, der von der bisher erfahrenen Realität, der Auslöser für die Problematiken war, abgekoppelt sein muss. Entscheidend ist hierfür die entsprechende Atmosphäre in der Einrichtung, die Geborgenheit und Sicherheit für jeden vermitteln muss. Wir wollen ein „zu Hause“, weg von bestehenden Heimstrukturen bieten. Jeder soll die Möglichkeiten erhalten, sich seinen Bedürfnissen entsprechend in einem gesunden Umfeld mit neuen Bezugspersonen weiterentwickeln zu können.

Eine gelungene Interaktion zwischen Betreuern, Kindern und Jugendlichen ist für den Prozess der Betreuung unabdingbar. Zur Verselbständigung gehören insbesondere das Erlernen von festen Alltagsstrukturen und Sekundärtugenden wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Haushaltsführung und Sauberkeit. Hierzu gehören das Erarbeiten von festen Regeln und Wochenplänen genauso wie Räume zur Erholung und eine Vielzahl von Gesprächsmöglichkeiten mit Gefühlen und Emotionen. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt ist die Interaktion mit den Eltern. Wir versuchen nach Möglichkeit, die Eltern in bestehende Tagesstrukturen unserer Kinder und Jugendlichen einzubinden. Des Weiteren gehören auch Einladungen zu besonderen Anlässen, wie Geburtstage, Weihnachten oder andere Festivitäten dazu. Dies ist jedoch individuell vom Lebensumstand des Einzelnen abhängig.

Wir versuchen auch, in der Freizeit Alternativen zu bieten. Hier setzen wir auf das gemeinsame Erlebnis im Team durch Sport oder andere Gemeinschaftsveranstaltungen.

Ein Grundsatz von Weitblick e.V. ist es, dass jedes Kind und jeder Jugendliche, der bei uns „anklopft“ (egal welcher Herkunft, Vergangenheit oder Problematik), über das zuständige Jugendamt jederzeit willkommen ist. Wir wollen mit „Weitblick Jugendhilfe e.V.“ immer dann da sein, wenn wir gebraucht werden, aber auch rechtzeitig erkennen, wann wir wegbleiben müssen.